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Kurzreise nach Kärnten, 29.06. – 02.07.2002
Anlaß: Auf der KärntenCard, die für die Pfingstferien in Verditz Gde.Treffen im Gegendtal (Kärnten) gekauft worden war (32 Euro), ist das Datum (erster Geltungstag) einigermaßen unleserlich geschrieben (18.05., kann aber auch 18.06. heißen). Die KärntenCard gilt drei Wochen lang, aber wegen dem unleserlichen Datum gilt sie ja jetzt möglicherweise wieder. Das muss man einfach ausprobieren! Allerdings enthält die KärntenCard einen Chip, und bei jeder Benutzung wird die Karte in ein Lesegerät eingeführt.
Samstag
29.06.2002: Die Austauschschülerin von Mechthild fährt heute zurück nach
Budapest. Ich begleite sie um 08:45 zur Trambahnhaltestelle St.-Martins-Platz,
anschließend Rucksack-Packen.
Mit dem RE Ostbahnhof 10:40 fahre ich alleine nach
Salzburg, Fahrkarte bis Rosenheim (4.05 Euro). In Salzburg Einkaufen von
Lebensmitteln, mit dem nächsten Zug (EC Wörthersee Saarbrücken – Klagenfurt) um
13:13 mit Fahrkarte nach St.Johann im Pongau (Euro 7.60). Ich überlege, ob ich mit dem Bus nach Hüttschlag im Großarltal fahren
soll, kenne aber die Busfahrpläne nicht. Deshalb bleibe ich sitzen (ohne
Fahrkarte) und steige erst in Mallnitz-Obervellach
aus (15 Uhr). Es geht zur Ankogel-Seilbahn, die heute
den Betrieb wieder aufgenommen hat (gleichzeitig Wiedereröffnung des Hannoverhauses,
2719 m, oberhalb der Bergstation).
Der Weg führt teilweise der Bahn entlang. Ich will einen
entgegenkommenden Zug mit dem Ankogel im Hintergrund
fotografieren, muss aber eine knappe halbe Stunde warten, und als dann ein Zug
kommt, fährt auf dem Gegengleis unmittelbar vor mir ein anderer Zug vorbei; ich
kann das Foto nicht machen und habe vergeblich solange gewartet! Als Folge
davon komme ich erst um 16:35 zur Ankogel-Seilbahn;
offiziell ist um 16:30 Schluss. Die Kabinen sind zwar noch nicht abgefahren,
aber ich werde nicht mehr mitgenommen. So kann ich nicht zum Hannoverhaus
hochfahren und auch nicht ausprobieren, ob meine KärntenCard
noch akzeptiert wird. – Daraufhin dreistündige Wanderung im Seetal
am Stappitzersee entlang zur Schwußnerhütte,
wie im Dumont-Buch „Richtig wandern – Kärnten“ beschrieben (sehr bequem
und sehr lohnend). Die Zimmerpreise am Gasthaus Alpenrose an der Ankogel-Seilbahn sind ziemlich hoch (30 Euro); ersatzweise wird
mir der Gasthof Gutenbrunn im Tauerntal
empfohlen, und ich wandere noch eine Stunde übers Südportal des Tauerntunnels (mit
Aufschrift „Francisco Josepho MCMIX“) an Mallnitz
vorbei dorthin (20:40) und bekomme ein nettes Zimmer für 20 Euro.
Sonntag, 30.06.:
Die Berge sind in Wolken, deshalb kein Aufstieg zum Hauptkamm der Tauern.
Stattdessen durch den Ort zum Bahnhof Mallnitz-Obervellach
(1160 m) (09:50) und über Gasthaus „Schöne Aussicht“ ins Dösental
südöstlich von Mallnitz. Man kommt über die Konradhütte (geschlossen) zum Arthur-von-Schmidt-Haus (2275 m) (12:50). – Der Übergang
von dort zur Reißeckhütte (2287 m) ist mit 8 Stunden angegeben, zwischendrin gibt es nur
das Kaponig-Biwak, jedoch nur zwei Stunden von der
Hütte entfernt. Ich schaue kurz in die Hütte hinein und will eigentlich gleich
weiter, da die Zeit knapp wird, werde jedoch von der Wirtin angesprochen. Sie
meint, der Weg sei zu weit für den heutigen Tag; als ich trotzdem weitermarschieren
will, sagt sie, sie müsse mich dann auf der Reißeckhütte anmelden, damit ich
gesucht werde, falls mir etwas passieren sollte. Ich bin davon nicht
begeistert, aber sie greift gleich zum Telefon und meldet mich an. Da ich mich
ein bisschen verpflichtet fühle, bestelle ich ein Bergsteigeressen (eine
riesige Portion Nudeln mit Soße, kaum zu
vertilgen) und ein Bier (9.90 Euro).
Zur Stunde beginnt das WM-Endspiel, aber
im Radio läuft ein banales Programm. Gegen 13:30 marschiere ich los, zunächst
bei gutem Wetter, das dann aber immer schlechter wird. Nach drei Stunden
erreiche ich durch steile rutschige Schneefelder das Kaponigtörl
(knapp 2600 m) gegen 16:30; dort ist die Entfernung zur Reißeckhütte mit
fünfeinhalb Stunden angegeben; das würde bedeuten, dass ich erst um zehn nachts
dort ankommen würde, und ich überlege, ob ich umkehren soll. Inzwischen bin ich
im Nebel, und es setzt Graupelschauer ein. Dadurch werden die Felsen nass und
sehr rutschig; deshalb komme ich noch langsamer vorwärts. An der Ostflanke der
Tristenspitze geht es bis in Höhen von 2700 m. Man muss ständig über lockere
und wacklige Felsblöcke klettern; einmal löst sich einer unter mir und stürzt
weit hinunter. Gegen sechs habe ich die schwierigste Wegstrecke überwunden und
komme in das Gebiet der Speicherseen bei der unbewirtschafteten und
geschlossenen Mooshütte (weit unterhalb vom Wanderweg). Dort habe ich mit dem
Handy endlich wieder Empfang. Ich melde mich in München und lasse mir das
Ergebnis des WM-Endspiels mitteilen. - Bis zum Speichersee (in 2300 m Höhe)
führt vom Reißeck aus eine Höhenbahn; diese wurde beim Bau des Staudamms in den
fünfziger Jahren angelegt. Der Wanderweg erlaubt jetzt ein zügiges Gehen bis
zur Scharte unterhalb vom Reißeck. Ich muss nochmals durch einen langanhaltenden heftigen Graupelschauer und werde dabei
völlig durchnässt. Dann kommt auch noch ein Gewitter, durch das ich mich aber
nicht aufhalten lasse. Es geht an den Mühldorfer Seen
vorbei; das sind ebenfalls Speicherseen, benannt nach dem Talort
Mühldorf im Drautal (Bahnstation Mühldorf-Möllbrücke).
Gegen acht erblicke ich in etwa einem Kilometer Entfernung die Reißeckhütte;
sie liegt direkt unterhalb von einem Staudamm. An einer Wegverzweigung – dort
wird der Weg zum Arthur-von-Schmidt-Haus sogar mit
zehn Stunden angegeben - wird für kostenlose Übernachtung mit KärntenCard auf dem nahegelegenen
Naturfreundehaus Adlerhorst geworben. Deshalb bewege ich mich zunächst dorthin;
es liegt oberhalb vom Berghotel Reißeck. Es scheint dort jedoch keine Gäste zu
geben, und da ich immer noch nicht weiß, ob meine KärntenCard
überhaupt noch gilt und da ich mich beim Wirt der Reißeckhütte melden muss,
gehe ich doch dorthin und komme um halb neun an. Ich bin heute der einzige
Gast. Für Erbsensuppe mit Würstel, ein Bier und Matratzenlager bezahle ich 13
Euro. Der Wirt telefoniert mit der Wirtin vom Arthur-von-Schmidt-Haus.
Er glaubt mir kaum, dass ich heute von Mallnitz hergekommen bin, und meint
dazu, das würden in der ganzen Saison nur einer oder zweie machen, selbst den
Übergang zum Arthur-von-Schmidt-Haus nur etwa fünf
Wanderer in der Woche; der Weg sei einfach zu weit, und zwischendrin gibt es
keinen Stützpunkt. Außerdem erfahre ich, dass die Lifte beim Reißeckhotel im
letzten Jahr abgebaut worden seien; seither ist dort oben im Winter
geschlossen. Ursache sei die Konkurrenz der 1997 eröffneten Mölltaler
Gletscherbahnen bei Innerfragant; dort sei doch
erheblich mehr geboten, als dies früher am Reißeck der Fall war. Auch auf dem Dobratsch werde der Skibetrieb mit der kommenden Saison
eingestellt und der Sessellift dann abgebaut. Das Reißeck-Hotel werde
möglicherweise abgerissen; das Geschäft mache man mit den Tagesgästen, die von Kolbnitz mit der Standseilbahn und dann mit der Höhenbahn
anreisen. – Auf der gesamten Wanderung ab Arthur-von-Schmidt-Haus
bin ich keinem Menschen begegnet! Wegen der Nässe bin ich völlig durchfroren,
auch nach Kleiderwechsel, und kann deshalb lange nicht einschlafen.
Montag,
01.07.: Wunderschönes Wetter. Gegen halb acht Frühstück (4 Euro). Eigentlich
hätte ich gerne die Höhenbahn beim Berghotel Reißeck gesehen, aber die erste
Fahrt startet erst um 09:05, und ich müsste eine Stunde warten.
Deshalb geht es
auf dem Weitwanderweg 10 (Rupertiweg: Böhmerwald – Steinernes Meer- Karnische
Alpen) weiter. Zunächst folgt ein unangenehmer Auf- und Abstieg über ein
Felsenmeer – die Felsen sind teilweise vereist und spiegelglatt – zur
Rossalmscharte (2500 m). Oben herrliche Fernsicht über Spittal
und das Drautal zu den Julischen Alpen. Es folgt ein
langer, teilweise auch langweiliger Abstieg über zweitausend Höhenmeter bis
nach Seeboden am Millstätter See. Dabei muß ich immer der Sonne entgegengehen und weiß, dass ich
jetzt wieder einen Sonnenbrand bekomme. Auch heute bin ich stundenlang keiner
Menschenseele begegnet. Unterwegs werde ich vom Kollegen Wiegand angerufen:
niemand in der Firma wisse, wo ich sei; Grund: ich hatte unserer Sekretärin per
Email mitgeteilt, ich würde möglicherweise zwei Tage Gleitzeit nehmen – wusste
jedoch nicht, dass die Dame in Urlaub geht; so hatte niemand die Email gelesen.
– Daraufhin habe ich im Abteilungssekretariat angerufen und mich abgemeldet. –
Inzwischen ist es sehr heiß geworden. Das Wegstück zwischen Lieserhofen
und Seeboden war besonders unangenehm, da man das Autobahnkreuz passieren
musste. Auch waren die in der Kompaß-Wanderkarte
eingezeichneten Fußwege teilweise nicht existent; dafür muss ich auf vielbefahrenen Straßen marschieren.
Da ich jetzt unbedingt
baden möchte, wandere ich nicht wie vorgesehen nach Spittal,
sondern nach Seeboden am Millstätter See. Der See ist
nahezu unzulänglich wegen der vielen Privatgrundstücke, und an den öffentlichen
Anlagen ist das Baden verboten. An einem kleinen Privatgrundstück fehlt baustellenbedingt der Zaun, und ich gehe dort ins Wasser.
Nach dem Baden komme ich am Fischereimuseum vorbei. Dabei bietet sich zum
ersten Mal die Gelegenheit, die Gültigkeit meiner alten KärntenCard
zu überprüfen. Die Karte wird ins Lesegerät eingeschoben - aber es piepst drei
Mal: ungültig! Die Karte sei mit dem 10.06. abgelaufen. –
Jetzt kann sie also
nur noch für verbilligte Fahrkarten mit öffentlichen Verkehrsmitteln verwendet
werden; dort gibt es keine Lesegeräte, sondern man sieht anhand des
handschriftlichen Datums, ab wann die Karte gültig ist. Kurz vor vier steige
ich in Seeboden in einen Bus nach Patergassen und verlange ein
24-Stunden-Ticket für „Kärnten gesamt“ zum Preis von 9 Euro. – Es geht also
über Millstatt, Radenthein
und Bad Kleinkirchheim nach Patergassen; dort wartet schon der Bus nach Feldkirchen,
und als wir am Bahnhof ankommen, fährt gerade der Zug nach St.Veit
an der Glan ein. Dort kurze Stadtbesichtigung, um sieben weiter mit einem IC
nach Klagenfurt. Ich will weiter nach Wolfsberg im Lavanttal.
Zufällig fährt ein Bus mit diesem Ziel gerade in die Haltestelle ein, und da
die Strecken mit der Bahn und mit dem Bus erheblich voneinander abweichen, entscheide
ich mich für den Bus. Die Fahrt geht über Völkermarkt, Griffen und St.Andrä und dauert anderthalb Stunden. Gegen neun kommen
wir in Wolfsberg an – am Schluss bin ich der einzige Fahrgast – und muss mir
ein Quartier suchen. Es ist diesmal nicht besonders billig. Schließlich frage
ich im Hotel Dölder an und bekomme ein Zimmer mit
Nasszelle und Fernseher zu Euro 28.60.
Dienstag
02.07.: Beim Frühstück im Hotel höre ich im Radio, dass über dem Bodensee zwei große Flugzeuge zusammengestossen sind. - In Wolfsberg bei schönstem Wetter Stadtbesichtigung und Aufstieg zum
Schloss (im neugotischen Tudor-Stil) der Grafen Henckel-Donnersmark.
Um 09:08 geht es mit der Bahn nach Süden nach St.Paul
im Lavanttal; die Strecke nach Norden über den Obdacher Sattel nach Zeltweg wird nur noch von einem
einzigen täglichen (Alibi-)Zug befahren. In St.Paul
Besichtigung der romanischen Stiftskirche, die zur Benediktinerabtei gehört. Im
Bahnhof gibt es umfangreiches Informationsmaterial zur Koralmbahn,
einer geplanten Neubaustrecke von Graz nach Klagenfurt. Seit 1919 führt die
direkte Bahnverbindung (über Marburg an der Drau)
über das Ausland (Jugoslawien bzw. Slowenien). Dies soll jetzt geändert werden.
Man hört dazu allerdings, der Kärntner Landeshauptmann Haider wolle mit dem
Bahnbau vollendete Tatsachen schaffen, solange er Einfluss habe; dafür wurden
andere wichtige Projekte, z.B. die Verbindung von Wien nach Graz
(Semmering-Untertunnelung oder über Westungarn) zurückgestellt. Östlich von
Klagenfurt sind für die Neubaustrecke schon einige Baustellen eingerichtet. –
Um halb zwölf in Klagenfurt. Mit dem EC „Wörthersee“ geht es sofort weiter nach
Spittal-Millstättersee, von dort mit einem
Regionalzug im Drautal nach Lienz in Osttirol; bis
dorthin gilt die Kärnten-Fahrkarte. Da meine Fahrkarte um vier Uhr abläuft,
geht es – nach kurzem Bummel über den Hauptplatz – wieder zurück nach Spittal und gleich weiter mit einem Regionalzug über die
Tauernbahn-Südrampe nach Mallnitz. Dort Spaziergang zur Rablschlucht.
Um fünf geht es mit einem IC weiter nach St.Johann im
Pongau. Es folgt eine enttäuschende Fußwanderung,
teilweise auf dem Tauernradweg, entlang
Bausparkassenhäusern, Klärwerk, Mülldeponie und Industriegelände nach
Schwarzach. Um 19:53 mit EC nach Salzburg. Dort gibt es grundsätzlich einen
langen Aufenthalt. Der Anschlusszug ist bei der Abfahrt 15 Minuten verspätet (der
verspätete ICE Wien – (Traunstein) - Innsbruck muss abgewartet werden; es
handelt sich um einen ICE 1 der DB!) und
kommt mit mehr als zwanzig Minuten Verspätung in München an. Kurz vor Mitternacht
bin ich daheim. Bei der Rückfahrt habe ich ganz regulär bezahlt; dafür war es
ziemlich teuer: ÖBB 15.50, DB 10.10 Euro. Aber spät abends sind die Züge leer,
und der Schaffner kann sich die Fahrkarten möglicherweise merken, deshalb habe
ich ausnahmsweise eine Fahrkarte bis nach München gelöst.
WF 05.07.2002
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